Nürnberger buch- und Kunstantiquariat
 Wertvolle und seltene Bücher und Graphiken

Alte Drucke


Beyer, Johann Mathias: "Theatrum machinarum molarium, Oder Schauplatz der Mühlen-Bau-Kunst ..." 2 Teile in 1 Band. Leipzig, Deer 1735. Folio (37 x 25 cm). Mit 43 num. Kupfertafeln. 5 (von 8) Bl., 125 S., 3 Bl; 6 Bl., 206 (richtig: 204), 49 S., 1 Bl. Leder d. Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe. - Kat. d. Ornamentstichsammlung Berlin, 1791. - Einband etwas beschabt und bestoßen. - Titel mit fachmännisch restaurierten Ausriß und altem Stempel. - Textseiten etwas gebräunt. - Ohne den Vortitel und 2 weitere Vorstücke.

Das vollständigste Werk seiner Zeit zu diesem Thema, konzipiert als 9. Band von Leupolds "Theatrum machinarum". Behandelt werden u.a. Papier-, Pulver-, Öl-, Säge-, Dresch-, Schleif- und Steinschneidemühlen. Der 2. Teil beschäftigt sich mit Mühlen-Recht. - Die Tafeln zeigen Getriebe, Mahlwerke und Gesamtansichten verschiedener Mühlen. - Attraktives und guterhaltenes Exemplar im zeitgenössischen Einband.   € 2.400,-



Rollenhagen, Georg: "Vier Bücher Wunderbarlicher biß daher unerhörter, und ungleublicher Indianischer reysen, durch die Lufft, Wasser, Land, Helle, Paradiß, und den Himmel ... aus Griechischer und Lateinischer Sprach mit fleis verteutschet". Magdeburg, Bötcher für Kirchner 1603. Kl.4° (19,5 x 14,5 cm). Mit Wappen-Holzschnitt auf der Titelrückseite. 4 Bl., 327 S. Späteres Pergament mit spanischen Kanten, blindgeprägten Deckelfileten, Eckfleurons und Zentralornament auf beiden Deckeln.

Zweite Auflage aus dem Jahr der Erstausgabe. - Bircher, A 280; Dünnhaupt 1605; Goedeke II, 510, 6. - Durchgehend gebräunt.

Der Magdeburger Theologe und Gelehrte Georg Rollenhagen (1542-1609) verfertigte diese Übersetzungen märchenhafter Reiseberichte über Indien und die Neue Welt (von Alexander d. Großen, Lukian, Plinius d. J., "Navigatio Brendani") bereits als Schüler. Der eingängige Stil der phantasievollen Erzählungen, in ihrer Art Vorläufer der "Münchhausiaden", verhalf ihnen zu großer Popularität. Kepler fand hier die Idee zu seiner Traum­erzählung von einer Reise zum Mond "Somnium sive astronomia lunari". Die beigefügte Zugabe "Etlicher wahrhaffter, aber bey vielen alten und newen Gelerten glaubwirdiger Lügen" stammt von Rollenhagens Vater. - Phantasievolles und äußerst unterhaltsames Werk des deutschen Barock in einem attrak­tiven Pergamenteinband. - Selten.   € 2.400,-


Indagine "Kunst der Chiromantzey"


Indagine, Joannes (d.i. Johannes von Hagen). - Hans Baldung Grien: "Die Kunst der Chiromantzey / usz besehung der hend. Physiognomey / usz anblick des menschens. Natürlichen Astrologey nach dem lauff der Sonnen. Complexion eins jegklichen menschens. Natürlichen ynflüssz der Planeten. Der zwölff zeichen Angesychten. Ettliche Canones / zu erkantnüsz der menschen kranckheiten / solicher weiß vormals nye beschriben oder gedruckt". Straßburg, Johannes Schott 1523. Folio (29 x 20 cm). Mit 2 ganzseitigen (wiederholten) Porträts, ganzseitigem Wappenholzschnitt, 4 Initialen verschiedener Größe, 27 Diagrammen und 80 Textabbildungen, alles in Holzschnitt, von Hans Baldung Grien und Hans Wechtlin (alles in der Kollation). 4 nicht num. Bl., 66 num. Bl., 1 nicht num. Bl. Brauner Lederband im Stil d. Zeit mit zwei blindgeprägten Deckelfileten, Eckfleurons, ornamentalem Mittelteil und Goldschnitt; im Schuber.

Erste deutsche Ausgabe und erste Ausgabe überhaupt. - Ritter 1265; Schmidt, Schott 84; VD 16, R 3114 (unter Rosenbach). - Titelblatt mit kleiner Anränderung, Blatt XXXV angerändert und mit restauriertem Einriß, wenige weitere Blätter mit kleinen, sehr gut restaurierten Fehlstellen bzw. Einrissen; stellenweise etwas gebräunt. - Stellenweise mit sachkundigen Marginalien von alter Hand.

Berühmtes Werk über Handlesekunst, Charakter- und Zukunftsdeutung aus Form und Linien der Hände. Der Autor, Joannes Indagine, war ein am Hof des Kardinals Albrecht von Mainz gern gesehener Astrologe. Von Papst Paul IV. wurde das Buch auf den Index gesetzt. Die beiden Porträts des Verfassers, sein Wappen auf dem nicht num. Blatt 4 und die Abbildung auf Blatt 34 sind mit Sicherheit von Hans Baldung Grien (Kat. Karlsruhe II B XL). Der begnadete oberrheinische Maler, Zeichner und Kupferstecher, der von 1503 bis 1506 in Albrecht Dürers Werkstatt tätig war, bevor er sich in Straßburg niederließ, offenbart in seiner Tätigkeit als Zeichner für Buchholzschnitte seine unerschöpfliche Formenphantasie. Diese Holzschnitte entstanden in Straßburg, einem Kulturboden, auf dem die Graphik durch den Klassiker Martin Schongauer zu höchster Vollendung gelangt war. Das Werk enthält eine große Zahl weiterer Holzschnitte, Umrisse von Händen mit chiromantischen Linien, zwei Zyklen von Planetengottheiten in ihren von Jungfrauen, Pfauen, Pferden, Drachen und Wölfen gezogenen Wagen und eine Reihe jeweils paarweise angeordneter physiognomischer Studien. Diese Arbeiten werden Hans Wechtlin zugeschrieben, der ebenfalls die Dürersche Werkstatt durchlaufen hatte, bevor er sich in Straßburg ansiedelte. So stammen auch diese Illustrationen von einem Meister hohen Ranges. - Dekoratives Exemplar der seltenen deutschen Erstausgabe von 1523. - In guter Gesamterhaltung.   € 5.800,-




Lambert, Johann Heinrich: "Die freye Perspektive, oder Anweisung, Jeden Perspektivischen Aufriß von freyen Stücken und ohne Grundriß zu verfertigen". 2 Teile in 1 Band. Zürich, Heidegger (2. Teil: Orell, Geßner u. Füeßli) 1759-1774. 8° (19 x 12 cm). Mit 10 mehrfach gefalteten Kupfertafeln. 6 Bl., 196 S., 1 Bl.; 181 S., 3 Bl. Leder im Stil d. Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild und goldgeprägter floraler Rückenverzierung.

Erste deutsche Ausgabe. - Steck I, 3 u. I, 26; Poggendorff I, 1355; vgl. ADB 17, 552. - Titelblatt gestempelt. - Stellenweise etwas gebräunt oder braunfleckig.

Der elsässische Physiker und Mathematiker Johann Heinrich Lambert (1728-1777), der sich sein Wissen vorwiegend autodidaktisch angeeignet hatte, gilt als bedeutendster Vertreter des deutschen Rationalismus nach Leibniz und vor Kant, mit dem er auch im Briefwechsel stand. Mit der "Perspektive", seiner ersten mathematischen Veröffentlichung, berücksichtigt Lambert als Mathematiker auch die Bedürfnisse der praktischen Anwendung und er begründet mit diesem Werk, noch vor Monge, die beschreibende Geometrie als eigenständige mathematische Disziplin. - Der 1. Teil dieser wichtigen Schrift zur Perspektivlehre, hier vorliegend in der seltenen 1. Ausgabe, angebunden der erst 15 Jahre später erschienene 2. Teil. - Gut erhaltenes Exemplar in einem dekorativen Einband im Stil der Zeit.   € 2.500,-



Marquis d'Argens (Jean-Baptiste de Boyer): "Jüdische Briefe, oder philosophischer, historischer und kritischer Briefwechsel zwischen einem Juden, der durch verschiedne Länder von Europa reiset, und seinen Correspondenten an andern Orten". 6 Teile in 6 Bänden. Mischauflage. Berlin und Stettin, Nicolai 1764–1770. Kl.8° (17 x 10 cm). Zusammen 2.470 S. Leder d. Zeit mit goldgeprägten Rückenschildern und reicher goldgeprägter Rückenverzierung.

Teil 1 in 2. Auflage, die Teile 2-6 in 1. Auflage. - Vgl. ADB I, 521f. - Kopfschnitt etwas fleckig, durchgehend etwas gebräunt, stellenweise braunfleckig.

Autor war der französische Schriftsteller und Philosoph Jean-Baptiste de Boyer, Marquis d’Argens (1703-1771). Einen großen Teil seines Lebens verbrachte er als Kammerherr Friedrichs II. am preußischen Hof. In seinen zuerst in Fortsetzungen erschienenen "Jüdischen Briefen" kommentiert er im Stil von Montesquieus "Persischen Briefen" auf feuilletonistische Weise die gesellschaftlichen und politischen Geschehnisse seiner Zeit und begründete damit seinen Ruhm als vielgelesener Autor der Frühaufklärung. - Äußerst dekorative Ausgabe im zeitgenössischen Einband.   € 480,-



Winckelmann, Johann Joachim: "Geschichte der Kunst des Alterthums". 2 Teile in 1 Band. Dresden, Walther 1764. 4° (24,5 x 19,5 cm). Mit 2 gestochenen Titelvignetten und 22 Textkupfern. S. (III)-LII, 431 S., 15 Bl. Moderner marmorierter Pappband mit goldgeprägtem Rückenschild.

Erste Ausgabe. - Goedeke IV/1, 301, 12; Rümann 1276; Borst 142; Carter/Muir 210. - Es fehlt das erste weiße Blatt.

Eines der wichtigsten Werke der Kunst- und Kulturgeschichte. Es legte den Grundstein für die moderne wissenschaftliche Archäologie und Kunstgeschichte. "Es war in der Tat das erste Werk in deutscher Sprache, das weltweite Zustimmung fand. Winckelmann wies hier zum ersten Mal auf die Wichtigkeit der griechischen Vorbilder für die moderne Welt hin ..." (Carter/Muir 210). - In guter Erhaltung.

Angebunden:
Ders. (An.), "Anmerkungen über die Geschichte der Kunst des Alterthums". 2 Teile in 1 Band. Dresden, Walther 1767. Mit gestochener Titelvignette. 3 Bl., XVI S., 3 Bl., 84 S., 1 Bl., S. 85-127, 6 Bl.

Erste Ausgabe. - Goedeke IV/1, 302,13; Borst 181. - Durchgehend etwas gebräunt.

Das grundlegende Werk zur modernen Archäologie und Kunstwissenschaft. - In guter Gesamterhaltung.   € 1.650,-