Nürnberger buch- und Kunstantiquariat
 Wertvolle und seltene Bücher und Graphiken

Objekt des Monats

April 2018

Die "Bayerischen Landtafeln" von 1568

Philipp Apian, "Bayerische Landtafeln", Ingolstadt 1568


Philipp Apian: "Bairische Landtaflen". XXIIII. Darinne(n) das Hochlöblich Furstenthumb Obern vnnd
Nidern Bayrn, sambt der Obern Pfaltz, Ertz vnnd Stifft Saltzburg, Eichstet, vnnd andern mehrern anstossenden Herschaffte(n) ... Ingolstadt, (Apian) 1568. Folio (37 x 26 cm). Titelblatt mit koloriertem Wappenholzschnitt, 1 kolorierten Übersichtskarte von Bayern mit Wappenkartusche und seitlich 34 Städte- und Herrschaftswappen und 24 kolorierten Detailkarten auf 22 Tafeln. Rotbrauner Lederband im Stil d. Zeit auf 5 Bünden, mit zweifacher Deckelfilete, ornamentaler Deckelverzierung und Eckfleurons; im Schuber.

Becker, Ammann 10; Stalla 92; VD 16, A 3114; Cartographia Bavariae 2.9. - Die erste Karte am Unterrand mit gut ergänztem Ausriß; ein Teil der Tafeln mit durchgeschlagenem Kolorit.

Sehr seltene erste Ausgabe der schönsten Spezialkarte des 16. Jahrhunderts mit dem bayerischen Wappen, Kartuschen und breiter Bordüre. Entwurf des Beiwerks von Jost Amman, die Holzschnitte wurden von Jost Amman, Hieronymus Wolff und Wolf Strauß gefertigt.

Zusammengesetzt ergeben die 24 Detailkarten eine große Landkarte von ca. 168 x 167 cm. Sie gilt als die erste detaillierte Karte von ganz Ober- und Niederbayern und als die früheste Spezialkarte eines europäischen Landes.

Philipp Apian erhielt 1554 durch den Herzog von Bayern den ehrenvollen Auftrag für eine Kartographierung des Herzogtums. 1568 sind die Landtafeln, die fast jedes Ortsbild, jedes Schloß oder Kloster in seiner charakteristischen Eigenart zeigen, in Holz geschnitten und druckfertig. In langjährigen, sehr mühevollen Fahrten kreuz und quer durch das Land mußte Philipp Apian viele Gefahren für Gesundheit und Leben erleiden und der finanzielle Erfolg war am Ende nur gering. Sein Landesherr, zwar begeistert von der kartographischen Meisterleistung, aber beeinflußt vom Rektorat der Ingolstädter Universität, das Apian sein Festhalten an der Augsburger Konfession vorwirft, entläßt ihn aus dem Universitätsdienst und er muß innerhalb kurzer Zeit auch die Stadt verlassen. Auf den umfangreichen Kosten, die der Erstdruck der "Bayerischen Landtafeln" verursacht hat, bleibt Apian sitzen.

Heute weiß man, daß diese erste Ausgabe der Landtafeln von 1568 nicht nur die erste genaue Landvermessung Bayerns darstellt. Mit dieser Ausgabe beginnt auch ein neues Zeitalter der Kartographie überhaupt. Man nennt Philipp Apian den bayerischen Ptolemäus. Jeder spätere Kartograph, Zeichner und Holzschneider muß sich an der Qualität von Philipp Apians Werk messen lassen.

Außergewöhnlich dekoratives Exemplar des bedeutenden bayerischen Kartenwerkes in sehr guter Gesamterhaltung. [ € 14.800,- ]